Burg Desdorf

Historisches

 

Zwischen Elsdorf und Paffendorf liegt unweit der A 61 Haus Desdorf. Bereits im Jahre 898 ist der Ort als „radesdorp” anlässlich einer Schenkung des Königs Zwentibold an das Damenstift Essen erstmals urkundlich erwähnt. Für das 12. Jahrhundert finden sich Nachweise der wohl aus mehreren Gehöften bestehenden Ansiedlung als „Dedesdorph” und „Thesdorp”, für das 13. als „Dezdorp”, „Detstorp” oder „Detzdorp”.
Im Jahre 1141 ist der Ankauf eines, so die Übersetzung aus dem Lateinischen, „gewissen Gutes, das in Desdorf liegt”, durch den Abt Gerhard für sein Kloster St. Pantaleon in Köln belegt. Eine Urkunde von 1308 nennt dann auch einen Ritter Gumpert de Destorp. Konkret fassbar wird die Geschichte des Rittersitzes Desdorf jedoch erst ab 1478. In diesem Jahre vermachten Peter von Adenau und seine Frau Margarete eine aus ihrem „hoff zu Destorp” zu entrichtende Rente von drei Sümmern Weizen an die Johanniter kommende St. Johann und Cordula in Köln für das Abhalten ihres Jahresgedächtnisses. In einem Schreiben von 1496 bestätigten die Witwe Margarete von Adenau und ihre drei Söhne Johann, Conrait und Claißgen die Abgabeverpflichtung — jetzt aber über acht Malter Weizen — für ihren Pächter Johann Schorgen. Eine Urkunde ähnlichen Inhalts von 1517 führt auf, dass die Johanniterkommende dem Pächter Schorgen die Unkosten der Anlieferung zu ersetzen habe, nennt aber als neuen Besitzer des Desdorfer Hofes einen Peter Bestolz. Von 1564 bis 1610 gehörte das Anwesen der Familie von Reuschenberg, anschließend gemeinschaftlich den Freiherren von Drimborn und von Olmußen genannt Mulstro. Sie verkauften es im Dreißigjährigen Krieg, 1629, an den Kaiserlichen Obristleutnant Freiherrn von Crümmel auf der Raab. Die nachfolgenden Ereignisse hat ein späterer Besitzer, der Paffendorfer Vogt W. Kesaer beschrieben:
„Als im heßenkrieg die hier umbher vogierte heßen in Erfahr gebracht, dass dies hauß einem kaiserlichen ‘Christen, nemblich dem Freiherrn v. Crummel auf der Raab, zuständig seye, haben sie dasselb ruiniert und abgebrennet, also daß nur allein des haußes dicke mauren stehen geblieben.” Danach gelangte der Hof zunächst wieder an die von Mulstro, die ihn an die von Brachel vererbten, nach denen er fortan auch Brachelsburg genannt wurde.
Im Jahre 1699 schloss Franz Wilhelm von Brachel zu Tetz mit Rutger Wolff zu Grouven einen Kaufvertrag über das Gut ab, aus dem hervorgeht, dass es inzwischen — sicher auch als Folge der Kriegszerstörungen — hoch verschuldet war, denn ein Großteil des Kaufpreises von zusammengerechnet 4025 Reichstalern sollte direkt an die verschiedenen Gläubiger, darunter die Kommende St. Johann und Cordula, entrichtet werden. Dieser Kauf wurde jedoch noch im selben Jahr vom Bruder des Verkäufers, Johann Lambert von Brachel zu Breitmar, rückgängig gemacht, nachdem ihm von der Johanniterkommende die Summe von 4 222 Reichstalern „in baar hergeschoßen worden” war. Aber auch die von Brachel zu Breitmar waren nicht imstande, diesen „Überbrückungskredit” der Kommende wie vereinbart zurückzuzahlen, und so wurde im Jahre 1716 ihr ;;zu Destorff liegendes freyadliches guth … ahn den schultheißen Wilhelmen Kesaer und deßselben Frau Petronella v. Dhalem” verkauft. Kesaer verpflichtete sich gegenüber den Johannitern, die übernommene Schuldsumme in nur drei Jahresraten zu tilgen und außerdem, „die durch das Ungewitter zerschlagene scheur auf seine kösten aufbauen zu lassen und so fort das ganze gut, so lange es hypotheka ist, in gebührendem Stand zu conferieren”. Tatsächlich ließ er in der Folgezeit Scheune und übrige Wirtschaftsgebäude herrichten sowie ein neues „leyendach” auf das Wohnhaus setzen, war aber zur Tilgung der Schuldsumme ebenfalls nicht in der Lage. Schließlich mussten seine Tochter und Erbin Maria Anna  und deren Ehemann Bernard Bürgel ihre Zahlungsunfähigkeit erklären, und der Komtur der Johanniterkommende ließ sich im November 1764 durch das Gericht zu Bergheim förmlich in den Besitz des Gutes einweisen. Versuche der Johanniter, das 1765 auf einen Wert von 7 898 Reichstalern taxierte Anwesen zu versteigern, scheiterten ebenso wie ihr Gesuch an den Landesherren, entgegen den damaligen gesetzlichen Bestimmungen „den Brachelshof zu Destorf eigenthümlich für die Commenderie zu acquirieren”. Schließlich traten sie 1779 alle Rechte an der Brachelsburg gegen Zahlung von 5 000 Reichstalern an den Kurfürstlichen Hofrat Johann Anton Frenz ab. Von dieser Familie gelangte der Desdorfer Hof an die Bongardt zu Paffendorf. Nachdem es seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts leerstand und vollends zu verfallen drohte, erwarb 1987 das Ehepaar Newzella Haus Desdorf, um es als Wohn- und Bürogebäude zu nutzen.
Als Überbleibsel der „ANO 1718 DIN 19 AP” (Kopfbalkeninschrift) durch W. Kesaer wiedererrichteten, dem Wohnhaus gegenüberliegenden Scheune existiert nur noch der schlichte korbbogige Torbau, der 1907/08 durch den Architekten Heinrich Wolff restauriert und mit einem Wappenstein der Bongardt versehen wurde. Durch dieses Tor gelangt man in das Innere der einst geschlossenen Hofanlage. Die — ebenfalls vor Wolff nach der Jahrhundertwende neu berge. richteten — teils in Fachwerk, teils in Vollziegelmauerwerk gehaltenen übrigen Wirtschaftsgebäude sind verfallen, als der Hof zehn Jahre lang verlassen war, und gegenwärtig nur zum Teil wiederhergestellt.
Als Prunkstück des Anwesens erstrahlt dagegen schon jetzt das in enger Zusammenarbeit mi der Denkmalpflege restaurierte Herrenhau: Das zweigeschossige vierachsige Wohngebäude mit unregelmäßiger Fenstereinteilung besteht ir Kern zumindest teilweise noch aus einem mittelalterlichen Vorgängerbau. Bei der Restaurierung des aus Feldbrandziegeln errichteten Gebäude 1989 fand man Reste eines zugemauerten ehemaligen Zinnenkranzes, eine hofseitige Türöffnug im Obergeschoß sowie Zugbrückenanker neben dem Portal.
Um 1700 wurde das Herrenhaus, wie die Maueranker an der Hoffront belegen, neugestaltet und dabei wohl auch verputzt. Während im Obergeschoß noch die gotischen Werksteinfenster aus rotem Sandstein erhalten sind, mussten sie im Hochparterre den großen Barockfenstern weichen, deren Trachytgewände durch eine rote Fassung farblich angepasst wurden. Damals dürfte auch das prächtige Renaissanceportal hierhin versetzt und (worauf der leicht asymmetrische Bogen hinweist) eingepasst worden sein. Woher es stammt, ist nicht bekannt; doch deuten das Christusmonogramm IHS auf der Schlußsteinkartusche und die sie rahmenden Engelsköpfe auf eine sakrale Herkunft hin. Die Gewände des Portals und die kanellierten Pfeiler auf Sockeln mit Diamantquaderung sind aus Trachyt, die ionischen Kapitelle aus Kalkstein und der Schlußstein sowie die Bogenzwickel mit den Engeln aus Sandstein gefertigt. Bei der Restaurierung erhielt das Portal wieder eine den vorgefundenen Farbresten entsprechende einheitliche Fassung.
Von der Innenausstattung des Herrenhauses sind die vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kölner Decken erwähnenswert. Das Gebäude ruht auf einem mächtigen Kellergewölbe, von dem aus ein gleichfalls tonnengewölbter unterirdischer Gang unter den östlichen Nebengebäuden hinweg in Richtung Brockendorf und ein zweiter von der Nordostecke des Hauses aus in Richtung Paffendorf führte. Von dem einstigen Wassergraben, der auf der Rückseite des Wohnhauses etwa 12 m breit war, ist kaum noch etwas erhalten.

 

Quellenangabe: Autor: Henriette Meynen Buch: Wasserburgen, Schlösser und Landsitze im Erftkreis

 

Buchcover von Wassergburgen, Schlösser und Landsitze im Erftkreis
Fotografiert: Stephan Newzella
 


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